Wie finde ich einen guten Broker?

Wenn man mit dem Traden anfangen möchte oder einfach auch nur ein weiteres Trading-Konto eröffnen möchte, stellt sich die Frage, bei welchem Broker man ein Konto eröffnet. Was zunächst recht trivial klingt, ist wenn man es genauer betrachtet doch recht komplex, da man auf viele Dinge achten muss und es auch von den individuellen Trading-Zielen abhängt, bei welchem Broker man ein Konto eröffnen sollte. In diesem Artikel stelle ich mal einige der Kriterien zusammen, die man berücksichtigen sollte. Desweiteren berichte ich von meinen Erfahrungen mit einigen Brokern, bei denen ich handle oder gehandelt habe. Dabei geht es hier nicht um Vollständigkeit der Informationen, sondern um die Methodik bei der Brokerauswahl und um die Entscheidungskriterien dabei.

Intro

In diesem Artikel geht es um Broker für den gehebelten Handel mittels Forex (Währungspaaren) und CFDs auf Indizes, Rohstoffe oder Aktien. Inzwischen gibt es hunderte von Brokern, die man prinzipiell zum Handeln nutzen kann. Sie bieten Ihre Handelsplattform mit Tools sowie die passenden Realtime-Kurse zumeist kostenlos an; ein Internetzugang reicht, um die Services zu nutzen und den Handel zu beginnen. Meist ist die Anmeldung binnen Minuten erfolgt. Auch bieten die Mehrzahl der Anbieter kostenlose befristete oder unbefristete Demo-Konten an, auf denen man den Service mit "Spielgeld" testen kann.

Es gibt aus meiner Sicht nicht den besten Broker, da die Auswahl des Brokers sehr stark von den individuellen Anforderungen und insbesondere von der geplanten Tradingstrategie abhängt.

 

Vorgehensweise

  1. Am Anfang steht ein Plan. Das kann entweder bereits eine (oder mehrere) fertige Tradingstrategie sein oder zumindest ein Plan dessen, was man vorhat oder ausprobieren will. Daraus ergeben sich die Anforderungen, also z.B. wieviel Geld will man einzahlen, wie will man einzahlen, welche Handelsinstrumente werden benötigt, welcher Hebel ist gewünscht, benötigt man deutschsprachigen Support, will man Scalpen oder automatische Handelssysteme einsetzen etc. 
  2. Ich empfehle aus der unten gezeigten Kriterienliste sich die relevanten Kriterien rauszusuchen und in einer Tabelle seine Anforderungen zu definieren.
  3. Nun geht es darum, die Broker zu finden, die am besten passen, also besonders bei den wichtigen Kriterien den Anforderungen entsprechen. Dazu gibt es einige Internetportale, die eine gezielte Suche eines Brokers nach vorgegebenen Kriterien ermöglichen. Ich empfehle hier Opens external link in new windowBrokerdeal oder Opens external link in new window100ForexBrokers.
  4. Nachdem man einen (oder mehrere) passende Broker gefunden hat, empfiehlt sich die Eröffnung eines Demo-Kontos. Damit kann man Technik und Support testen und sehen, ob die Anforderungen auch erfüllt werden und alles wie gewünscht funktioniert. Auch sollte man sich einen Eindruck der Webseite der Broker machen und in Internet-Foren recherchieren, wie andere Nutzer über Ihre Erfahrungen mit den Brokern berichten.
  5. Wenn im Demo-Konto und auch sonst alles passt, kann nun ein Live-Konto eröffnet werden.

 

Kriterien zur Auswahl eines passenden Brokers

Es gibt zahlreiche Kriterien bei der Auswahl eines passenden Brokers. Solche Kriterien findet man z.B. auf den oben genannten Brokervergleichsseiten ( Opens external link in new windowBrokerdeal oder Opens external link in new window100ForexBrokers); dort sieht man, in welchen Kriterien sich die Broker unterscheiden.

Ich werde hier die aus meiner Sicht wichtigsten Kriterien darstellen und kurz beschreiben. Ich unterscheide die Kriterien nach Broker-Kriterien und Account-Kriterien. Dies ist wichtig, da viele Broker auch Accounts mit unterschiedlichen Eigenschaften anbieten.

 

Broker-Kriterien

Ort / Sitz des Brokers

Der Sitz des Brokers ist insbesondere wichtig, wenn es zu Rechtsstreitigkeiten kommt oder der Broker in finanzielle Schwierigkeiten gerät.

Hier ist es am besten man nutzt einen Broker in Deutschland (gibt es leider nicht so viele) oder innerhalb der Europäischen Union. So hat man eine Chance, seine Ansprüche auch in schwierigen Situationen rechtlich durchsetzen zu können. In weniger rechtsstaatlichen Ländern hat man aufgrund der Sprache und der Rechtslage in diesen Ländern oft nur geringe Chancen, seine Ansprüche im Zweifelsfall durchgesetzt zu bekommen. Die Broker siedeln sich insbesondere gern in Ländern mit optimalen Steuerbedingung an; das ist nicht grundsätzlich schlecht, aber es gibt eben Länder dabei, in denen es weniger rechtstaatlich zugeht, und dann kann es eben zum Problem werden.

Des Weiteren hängen andere Kriterien wie die Einlagensicherung und die Überwachung der Broker durch staatliche Kontrollen vom Sitz des Brokers ab. Auch hier ist es besser, auf einen kontrollierten Broker mit einer guten Einlagensicherung zu setzen. Diese findet man vor allem in entwickelten Industriestaaten.

Aus oben genannten Gründen hier mal eine Reihenfolge der Orte, an denen ich einen Broker bevorzugen würde in absteigender Reihenfolge:

Deutschland - UK - Europa - USA/Kanada/Australien/Neuseeland - Sonstige 

Gegebenenfalls gibt es einen weiteren Aspekt: Wer scalpen möchte oder mit automatischen Systemen im Hochfrequenzhandel traden möchte sollte noch darauf achten, dass der Client des Handelsprogramms auch physisch nahe dem Server (der nicht unbedingt an dem selben Ort wie das Headquarter des Brokers sein muss) ist, da es andernfalls zu zeitlichen Verzögerungen der Tradeausführung kommen kann. Beispiel: Bei sehr kurzfristigem Handel wäre es unzweckmäßig, von einem Client in Deutschland mit einem Server in Australien zu handeln. Letzter Aspekt wird aber sicher nur eine Minderheit der Trader betreffen.

 

Einlagensicherung

Die Einlagensicherung greift, wenn der Broker in finanzielle Schwierigkeiten gerät und die Einlagen verloren gehen. Es gibt sowohl staatliche Einlagensicherungen in manchen Staaten als auch private Einlagensicherungsfonds. Man sollte darauf achten, dass der ausgewählte Broker einem Einlagensicherungssystem angeschlossen ist. Die Broker geben diese Informationen meist auf ihrer Webseite mit an. Findet man dort nichts, kann man auch per Chat oder Email beim Broker anfragen. Gibt es auch dann diese Informationen deutet das eher auf keine Einlagensicherung hin. Dann ist von dem Broker unbedingt abzuraten.

Wichtig ist auch die Höhe des Betrages pro Kunde, der über die Einlagensicherung abgedeckt ist. Mehr als diesen Betrag sollte man nicht auf seinen Konten bei diesem Broker haben. Will man einen größeren Betrag traden, empfehle ich die Aufteilung auf mehrere Broker, so dass nie mehr als der abgesicherte Betrag bei den Brokern liegt.

 

Segregated Accounts (Separierte Konten)

Die meisten Broker halten die Kundengelder in separaten Konten getrennt vom Geld des Unternehmens. Damit ist die Voraussetzung gegeben, dass im Falle finanzieller Schwierigkeiten des Brokers die Kundengelder erhalten bleiben. Man sollte unbedingt darauf achten, dass der Broker so verfährt.

Es gibt jedoch auch Broker, die diese Separierung nicht durchführen. Hier kommt es zu einer Vermischung der Unternehmensgelder und der Kundengelder. So kann es kommen, dass Werbung oder operative Kosten von Kundengeldern finanziert werden und im Falle einer Insolvenz des Brokers auch die Kundengelder weg sind.

 

Nachschusspflicht

Beim gehebelten Handel wird man im Normalfall seine Trades mit einem Stop/Loss absichern, um den Verlust zu begrenzen. Andernfalls kann der Verlust sehr schnell die Größe der Einlage erreichen. Passiert das, haben die Broker einen Mechanismus (der sich durchaus bei den verschiedenen Brokern im Detail unterscheidet), der die Positionen automatisch schließt, so dass ein Konto eigentlich nicht ins Minus rutschen kann.

Trotzdem gibt es zwei Vorgänge, die ein Konto ins Minus reißen können:

  1. Gaps. Kurssprünge, z.B. nach nicht gehandelten Zeiten (Wochenenden, Feiertage oder nachts bei einigen Instrumenten). Hier wird der Broker zwar auch alle Positionen schließen, aber eben mit dem ersten Kurs nach dem Gap und da kann ein Konto eben schon tief im Minus sein.
  2. Ereignisse am Finanzmarkt können dazu führen, dass es in eine Handelsrichtung keine Gegenpositionen gibt (Liquiditätsmangel). Ein Beispiel ist die unerwartete Aufhebung der Bindung des Schweizer Franken an den Euro am 15.1.15. Dies hat zu extremen Ausschlägen bei den betroffenen Währungspaaren (EURCHF, USDCHF) geführt, so dass Kunden riesige Verluste erlitten haben und sogar Broker in die Insolvenz gehen mussten.

Sollte einem so etwas passieren, ist man gut aufgestellt, wenn der Broker auf eine Nachschusspflicht verzichtet. Andernfalls ist der Broker berechtigt, den Ausgleich des Minusbetrages durch Nachzahlung auf das Kundenkonto einzufordern.

Ein Broker, der auf eine Nachschusspflicht in seinen AGBs verzichtet, bietet hier also eine größere Sicherheit und ist zu bevorzugen.

 

Ein- und Auszahlungsmodalitäten

Nicht ganz so wichtig wie die bisher genannten Kriterien, so sollte man sich doch damit beschäftigen, wie Geld ein- und ausgezahlt werden kann. Die meisten - aber nicht alle - bieten eine Überweisungsmöglichkeit. Das kann - zumal wenn es eine Auslandsüberweisung ist - aber schon mal 3...5 Tage dauern. Besser sind Kreditkartenzahlungen oder Direktüberweisungen, weil hier die Zahlung binnen Sekunden erfolgen kann und bei einigen Brokern das Geld dann auch sofort auf dem Konto ist. Das kann insbesondere dann wichtig sein, wenn das Konto aufgrund von Kursverlusten eine Aufstockung benötigt. Das möchte man dann meist auch zeitnah erledigen. Ein besonderes Augenmerk sollte man auf die Gebühren werfen. Bei einigen Brokern komplett kostenfrei reicht die Einzahlungsgebühr bis zu einigen Prozent des Einzahlungsbetrages und das kann bei einer größeren Einzahlung schon ein erheblicher Betrag sein. Also man sollte sich vorab mit den Details mal beschäftigen.

 

Deutscher Support

Support gibt es eigentlich fast bei jedem Broker über Chat, Email und Telefon. Jeder gängige Broker bietet diesen Support auch in Englisch an. Deutsch ist nicht bei jedem Broker als Support-Sprache verfügbar. Wer also nicht in Englisch kommunizieren möchte oder kann, sollte vorab checken, ob der Support auch in Deutsch verfügbar ist. Erstes Kriterium dafür ist schon, ob es auch eine Version der Webseite in deutsch gibt. Dann weiß man zumindest, dass sich der Broker auf deutsche Kundschaft eingestellt hat.

 

Demokonten

Die meisten Broker bieten ein Demokonto an. Das kann jeder kostenfrei einrichten und somit viele Eigenschaften des Kontos bereits vorab austesten. Manchmal sind diese Demokonten zeitlich begrenzt, z.B. auf 4 Wochen, und manchmal gibt es sie auch unbegrenzt. Das ist dann gut, wenn man längerfristige Strategien testen möchte. Allerdings verhalten sich diese Konten nicht immer exakt wie die Livekonten, aber es ist sicher sinnvoll, als ersten Test des Brokers ein Demokonto einzurichten.

 

Sonstiges

Darüber hinaus bieten die meisten Broker Zusatzangebote an, die es Wert sind, dass man sich damit beschäftigt oder diese nutzt:

  • Webinare oder live Weiterbildungsveranstaltungen
  • Lehrmaterial auf den Webseiten
  • Bonus Programme (genau die AGBs lesen, es gibt Barauszahlungen, geliehenes Geld, dass man sich durch Trading schrittweise in Eigengeld umwandeln kann bis zu nur geliehenem Geld)
  • VPS Service - Hosting des Handelsprogramms, was wichtig ist, wenn man automatische Handelssysteme einsetzt und das Handelsprogramm rund um die Uhr laufen lassen muss. Will man zu Hause den Rechner nicht ständig laufen lassen, bietet sich so ein Service an. Aber Achtung bei den AGBs: Es gibt wenig gratis Angebote dieses Service, meist ist es an eine minimales Handelsvolumen gebunden oder kostenpflichtig.

 

Account-Kriterien

Handelsplattform

Als Quasi-Standard für das Trading hat sich inzwischen die Handelsplattform Metatrader 4 (MT4) durchgesetzt. Es ist eine hervorragende Handelsplattform, die unter Windows/iOS/Android verfügbar ist, mit umfangreichen Indikatoren geliefert wird und die Möglichkeit des automatischen Tradings über sogenannte EAs (Expert Advisors) bietet. Da viele Broker diese Handelsplattform auch unterstützen, gibt es eine große Community mit zahlreichen Indikatoren und EAs. Man muss sich also entscheiden, ob man eine quasi standardisierte Plattform verwenden möchte oder das individuelle Handelsprogramm eines Brokers nutzen möchte; diese gibt es in der Regel im Browser sowie auf den mobilen Endgeräten unter iOS und Android. 

Ich selbst bevorzuge den Metatrader 4 aus folgenden Gründen:

  • Man ist bezüglich der Handelsplattform nicht vom Broker abhängig und kann seine Erfahrungen, Indikatoren und Handelsprogramme auch bei anderen Brokern weiterverwenden.
  • Er ist ein hochprofessionelles Tool mit einer großen Nutzergemeinschaft im Internet.
  • Er unterstützt den Einsatz automatischer Handelssysteme.
  • Die Chart-Tools sind aus meiner Sicht den Broker-spezifischen Handelsplattformen meist überlegen.

Ich handele übrigens auch bei Brokern, die keine MT4-Unterstützung haben. Es hängt eben auch vom Handelsstil ab und welche Anforderungen man an ein Handelstool hat.

 

Verfügbare Handelsinstrumente

Abhängig vom geplanten Handel sollte man die verfügbaren Handelsinstrumente checken. Währungspaare (FX) bieten so ziemlich alle Broker an, meist auch CFDs auf Rohstoffe und Aktienindizes bzw. Aktien. Welche Instrumente genau angeboten werden und zu welchen Konditionen (Spreads, Hebel, Kommissionen, Finanzierungskosten, Stückelung etc.) findet man meist über die Webseite der Broker.

 

Weitere wichtige Kriterien

Abhängig vom geplanten Handelsstil sollte man noch auf die folgenden Eigenschaften des Handelskontos achten:

  • Möchte man Scalpen (Kurzfristhandel, Schließen nach wenigen Pip-Bewegungen) so sollte man darauf achten, dass der Broker diese Handelsart explizit zulässt; desweiteren bietet sich ein sogenannter ECN/STP Broker an, der zumeist auch geringe Spreads anbietet.
  • Möchte man automatische Handelssysteme laufen lassen, sollte der Broker das explizit erlauben.
  • Kleinste handelbare Einheit (minimale Lotgröße) sollte den Erwartungen entsprechen.
  • Größe der Spreads (Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs). Für Forex gibt es auf Opens external link in new windowMyFXbook für viele Broker einen Vergleich der aktuellen Spreads.

 

Fazit

Ich habe versucht, eine methodische Vorgehensweise zur Auswahl eines passenden Brokers zu beschreiben. Wer also gezielt für seine Tradingstrategien einen Broker sucht, sollte seine Anforderungen definieren und dann in einer Tabelle die Broker zusammenstellen, die am besten passen. Auf dieser Grundlage lässt sich dann eine gute Entscheidung treffen. Ich habe als Beispiel mal eine solche Tabelle mit den für mich wichtigen Kriterien unten dargestellt, einschließlich der von mir genutzten Broker.

Wer erst einsteigen möchte und noch nicht genau weiss, wie er künftig handelt, kann nicht viel falsch machen, wenn er ein MT4-Konto bei GKFX, FXCM, ETX oder ActiveTrades eröffnet. Will man weniger mit dem MT4 arbeiten und legt mehr Wert auf Aktien-CFDs, so empfiehlt sich nach meiner Erfahrung einer der folgenden Broker: CMC Markets, IG oder Ayondo Markets.




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